Doktor "Didi" - Eine Biografie

Dietmar »Didi« Bruckmayr ist sicher eine der buntesten Figuren im österreichischen Musikzirkus. Im zarten Alter von 19 Jahren gründete er 1985 die Punkband DEAD SOULS, aus der sich 1988 FUCKHEAD entwickelte. Sänger und Frontmann Bruckmayr ließ da so ziemlich alles über sich kommen: Sich das Hirn rauszublasen war und ist hier genauso performatives Programm wie an die Grenzen der eigenen Körperlichkeit zu gehen, Fleischerhaken-Hängungen à la »Sundance Ritual« gleich inklusive.


FUCKHEAD (www.fuckhead.at) ist wahrscheinlich der konsequenteste heimische Beitrag wenn es darum geht, den Körper als Kampfzone einzusetzen, eingebettet in Extremsituation und ausgelaugt in alle nur erdenklichen Körpersäfte. Vor einiger Zeit ging FUCKHEAD auch ins Digitale und fand in Hiaz fm von FARMERS MANUAL einen adäquaten Partner für die audiovisuellen Ausschlachtungen der Festplatten. Stationen dieser audiovisuellen Körpermodifikationen waren u.a. NYC, Moskau, Sydney, eine Japantournee und zahlreiche Auftritte bei heimischen Festivals wie »wienmodern’02« oder »Royal Electronics« 2003.

Dass die 80er nie aufhörten, wird eindrücklich bei WIPE OUT bewiesen. Die schwitzenden Jungs, in aufreizende weiße Matrosenjacken gehüllt, sind die wahren »victims of entertainment industries«: Seit 1992 sorgen WIPE OUT (www.fuckhead.at/wipeout) landauf landab für den richtigen Partysound, Bruckmayr ist der tanzende Derwisch im gleißenden Licht der Diskokugel. Wenn FUCKHEAD den Zuhörer mit dem Schädel in den nassen Beton genickwatscht, dann machen WIPE OUT einen tanzen: Beides vollgepackt mit massivem Wissen um Electronic Body Music, Punk, Industrial und durch Bruckmayr aufgeladen mit schmunzelnder, verzweifelter, pathetischer, strahlender, maroder und stählerner Körperlichkeit.

Mit dem 1996 gegründeten Projekt SCHLUND (www.schlund.nu) ist dann mittels Garfield (FETISH69) auch einiges an Hardcore dabei.

Sang mit dem ORCHESTER 33 1/3 und hält Performances mit Fennesz, Karlheinz Essl, Boris Hauf, Martin Siewert und Hannes Löschl. Mit Mitgliedern des Klangforum Wien und des RSO Aufführungen der Komposition »Fleisch – Eine Hinrichtung« von Peter Androsch beim Festival der Regionen 1999.

Zusammen mit Sam Auinger, Peter Androsch und Wolfgang Dorninger: »Laager« für das EU- Kulturmonat der Stadt Linz 1998. Sänger und Performer im Tanzstück »Cut*A*Way« der Tanzkompanie Bert Gstettner/Tanzhotel/Wien 1999.
Gemeinsam mit Anna Maria Bammer, Albert Hosp und Leonhard Schmiedinger Aufführung der Komposition »Domino« von Peter Androsch im Brucknerhaus Linz Mai 2001. 2002 Engagement als freier Mitarbeiter am Burgtheater/Wien für das Stück »Gilgamesch«.
Es geht auch anders. Zwar auch berserkerisch, aber in anderer Richtung: Der oberösterreichische Landesmeister im Amateurboxen von 2000 war u.a. Mitarbeiter am Großprojekt »Fürsorgepolitik in Österreich von 1848-1948«, saß in der »Historikerkommission«, nennt sich ab und an ganz gewissenhaft Dr.rer.soc.oec. wegen seines Abschlusses auf der Universität der Handelswissenschaften und hält in Jugendzentren Vorträge über die nationalsozialistische Fürsorgepolitik.
Und wem das alles noch nicht reicht, gehe auf eines der nächsten Konzerte, rufe ihm laut »Ausziehen« zu und warte auf die darauffolgende Bilderflut auf Bruckmayrs Haut.
Heinrich Deisl